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4. September 2017

Geschichte der Schweizer Artillerie zum Anfassen

Der Artillerietag des Museums im Zeughaus bot nebst interessanten Demonstrationen auch Gelegenheit zum Selberentdecken.

VON CHRISTOPH MERKI

Jung und Alt interessierte sich am Artillerietag für die Geschütze aller Art und aus allen Epochen: Auch die Panzerhaubitze M109 war zu erkunden. Bild Christoph Merki

Brig. René Wellinger

In vielen Museen mag ein teilweise verstaubter Hauch der Vergangenheit das gewisse Extra ausmachen. Hier hebt sich das Museum im Zeughaus (MiZ) auf der Breite in Schaffhausen jedoch von der Masse ab. Auch wenn der Blick in frühere Zeiten ein wichtiger Bestandteil ist, die Macher um Stiftungsrat Martin Huber bleiben stets aktuell, vernachlässigen auch die Gegenwart und sogar die Zukunft nicht. Dies spiegelt sich ebenso in der neu überarbeiteten Ausstellung über die Artillerie in der Schweizer Armee wider. «Wir haben nicht alles neu gemacht, aber der bestehenden Ausstellung ein Facelifting verpasst», erklärte am Samstag bei der Neueröffnung der Projektleiter Ernst Willi. Didaktische Verbesserungen mit vereinfachter Struktur und Grafiken sowie Modelle wurden eingebaut. Auch mit modernen Exponaten wie einem Schiesskommandantenfahrzeug Eagle III, einer Panzerhaubitze M109 sowie einem Munitionstransportfahrzeug M548 wurde der Rundgang aufgepeppt. «Alle Fahrzeuge sind voll ausgerüstet – so, wie sie noch heute im Einsatz stehen», erklärte Willi. «Die Informationen wurden teilweise umformuliert und damit auch für Nichtartilleristen verständlich gemacht.»

Vorführung eines Stellungsbezugs

Publikumswirksam wurde die überarbeitete Ausstellung «Von der Wurfmaschine zur Panzerhaubitze» im Rahmen eines Artillerietages zum ersten Mal der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Dabei waren die Demonstrationen von pferdegezogenen über motorisierte Zugmaschinen mit den geschichtlich dazugehörigen Geschützen bis hin zur heute noch verwendeten Panzerhaubitze M109 der Höhepunkt. Hierfür war sogar ein Detachement der Artillerieschule 31 aus Bière angereist. Eindrücklich haben die 25 Rekruten den Ablauf eines Stellungsbezuges veranschaulicht. «Für die jungen Soldaten ist es wichtig, die Verknüpfung der Armee mit der Bevölkerung auch zu erleben», erklärte Oberstleutnant Pierre Burton den grossen Aufwand vonseiten der Armee. Insgesamt sind die Rekruten, welche sich in der neunten RS-Woche befinden, mit sechs grossen gepanzerten Fahrzeugen nach Schaffhausen gekommen.

Unter den knapp 750 interessierten Besuchern waren auch der Kommandant des Lehrverbandes Panzer und Artillerie, Brigadier René Wellinger, sowie der ehemalige Chef der Armee, Korpskommandant André Blattmann. Dabei hob Wellinger in seiner Ansprache die Wichtigkeit der Artillerie in einer modernen Armee hervor und betonte dabei ebenso die nötigen Anpassungen, um die schweren Waffen auch in den immer dichter besiedelten Gebieten verhältnismässig einsetzen zu können.

Nachgefragt

«Panzer und Artillerie sind unverzichtbar»

Er glaubtan die Zukunft der schweren Geschütze: Brigadier René Wellinger kommandiert den Lehrverband Artillerie.

Herr Wellinger, die Panzer und die Artillerie haben in der Schweiz eine lange Tradition, haben sich diese Truppengattungen stark gewandelt?

René Wellinger: Während die Grundaufgabe im Prinzip unverändert blieb, haben Entwicklungen auf dem technologischen Niveau viel Neues gebracht. Heute ist die Vernetzung unter den Systemen, insbesondere bei der Artillerie, nicht mehr wegzudenken.

Wie beurteilen Sie die heutige Schweizer Artillerie?

Wellinger: Mit der Ratifizierung des Abkommens zum Verbot zur Streumunition mussten wir unsere wirksamste Munition ersatzlos preisgeben. Geschütze und Fahrzeuge sind schon stark in die Jahre gekommen. Es ist mittlerweile schon über 50 Jahre her, dass unsere Panzerhaubitzen und Schützenpanzer der Artillerie in ihrer Grundversion beschafft wurden – und sie fahren immer noch. Mit verschiedenen Modifizierungsprogrammen wurden sie zwar erneuert, doch genügen sie den heutigen Anforderungen nur noch bedingt.

Immer wenn die Armee unter Spardruck gerät, werden die von Ihnen kommandierten Truppengattungen in den Fokus gerückt. Haben sich diese Diskussionen auf das Training und die Kampffähigkeit ausgewirkt?

Wellinger: Ja, im positiven Sinn. Kritik regt immer zum Nachdenken an. Dadurch, dass man immer wieder gezwungen ist, den Einsatz der eigenen Mittel kritisch zu hinterfragen, konnte man das Training, die Einsatzverfahren und somit auch die Kampffähigkeit immer wieder neuen Gegebenheiten anpassen und weiterentwickeln.

Der Kampf im überbauten Gebiet ist aktuell ein Schlagwort, können Panzer oder die Artillerie diesbezüglich überhaupt noch eingesetzt werden?

Wellinger: Ja, sie sind sogar unverzichtbar. Muss in einem überbauten Gebiet gegen einen Gegner vorgegangen werden, so ist für die vordersten Elemente stets damit zu rechnen, von einer nicht erkannten Stellung aus unter Feuer genommen zu werden. Was eignet sich da besser, als ein Fahrzeug voranzuschicken, das über einen solchen Panzerschutz verfügt, sodass es dieses Feuer unbeschadet überstehen und zudem mit seinen Waffen effizient und präzis erwidern kann? In Kombination mit der Infanterie ist der Panzer das beste Mittel für den Kampf im überbauten Gebiet. Auch die Feuerunterstützung mit Artillerie ist im überbauten Gebiet von entscheidender Bedeutung. Allerdings ist gerade dort ein möglichst präziser Einsatz erforderlich, was gelenkte Munition bedingen würde. Auch muss die Problematik der Beobachtung und Feuerführung in solch unübersichtlichem Gebiet gut abgedeckt werden können, wozu sich Drohnen besonders eignen.

Mit der Weiterentwicklung der Armee kommen zahlreiche Änderungen einher, ist die Artillerie davon auch betroffen?

Wellinger : Ja, die verbleibenden Artillerieformationen sind künftig in den drei mechanisierten Brigaden zusammengefasst. Zudem wird die Zahl der Artillerie-abteilungen von fünf auf vier reduziert. Allerdings wird durch die Beschaffung des 12cm-Mörsers die gesamte Anzahl der Geschütze davon nicht negativ betrof- fen sein.

Gäbe es in der Schweiz Alternativen zur Artillerie?

Wellinger: Mit Sicherheit. In manchen Bereichen kann beispielsweise aus der Luft der gleiche oder ein ähnlicher Effekt erzielt werden. Wir dürfen uns nicht darauf behaften, in Truppengattungen zu denken, sondern wir müssen die geforderten Fähigkeiten in den Vordergrund stellen. Wenn sich dabei Möglichkeiten zeigen, diese besser abzudecken als mit der Artillerie, so bin ich der Erste, der dies unterstützt.

«Auch die Feuerunterstützung mit Artillerie ist im überbauten Gebiet von entscheidender Bedeutung.»

Wehrverband Artillerie

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